Mittwoch, Mai 04, 2016

[RSP-Karneval] Alien Technology - or not


(Die bunten Klischees mit oder ohne Zahl in der Klammer sind Risus-Spielwerte.)

Im Rahmen des RSP-Karnevals im Mai 2016, der von Nerd-Gedanken geleitet wird, geht es um Auswüchse der Wissenschaft. Neben den Klischees von verrückten Wissenschaftlern, die in Laboren Mixturen für Superhirne zusammenschütteln, geht es auch um alles andere, was Wissenschaftler in ihren mehr oder weniger merk- bzw. vergessenswürdigen Fachbereichen vorsichhintheoretisieren und experimentieren. Auffallend dabei ist, dass meistens sog. Naturwissenschaftler als verrückt und experimentierend dargestellt werden. Das kann daran liegen, dass Geisteswissenschaftler sowieso nicht ernst genommen werden oder daran, dass sie eher selten am Bau noch größerer Bomben beteiligt zu sein scheinen. Dabei können Sprachwissenschaftler ganz sicher genauso verrückt werden und die Welt mit ihren Auswüchsen verwirren. Man denke nur an die Rechtschreibreform.

Meine kindliche Vorstellung vom (verrückten) Wissenschaftler war durch Jerry Lewis' Der verrückte Professor und diverse Comichefte mit ihren bösen Wissenschaftlern geprägt. Möglicherweise hat mich das damals vom Weg des Naturwissenschaftlers abgehalten. Die mediale Darstellung von heutigen Wissenschaftlern ist auf recht sympathische Typen beschränkt, die ihre finsteren Pläne vielleicht nur gut geheim halten und ihre Minions für sich arbeiten lassen, während sie selbst lächeln, Witze machen und Mineralwasser trinken.

Die Geschichte der Wissenschaften liest sich, abgesehen von den typischen Heldenbiographien, die es in allen Bereichen zu finden gibt, als makabre Seifenoper verrückter Gedanken, Liebschaften, Machenschaften und einem Wandel von Menschen, die irgendwie mit sich und der Welt und ihren Mitmenschen klarzukommen versuchten. Plagiate, Spionage und Betrug sind da noch die geringsten Tragödien. Ernsthaft, was ist schon der Verlust der Weltformel gegen den Verlust wahrer Liebe? Manchen Wissenschaftler wären glücklicher (und erfolgreicher) geworden, hätten sie sich als Yogis auf irgendeinen Berg in eine Meditationskiste zurückgezogen.

Eine weitere kindliche Vorstellung ist die der Wissenschaft zum Wohle der Menschheit. Obgleich viele Wissenschaftler zum Wohle ihrer Mitmenschen beitragen und dass wissenschaftliche Arbeiten und wissenschaftlich-orientierte utopische Gesellschaften, wie Francis Bacon sie in New Atlantis angedacht hatte, einige Aspekte von Hoffnung mit sich tragen, kann mit den Früchten der Wissenschaft allerlei Übel angerichtet werden. Die wissenschaftlichen Arbeiter müssen davon selbst garnichts mitbekommen, sofern sie nur ihre kleinen Experimente machen. Aber was, wenn im Hintergrund der Große Böse Wissenschaftler (5) die Erkenntnisse der unzähligen kleinen Experimente zusammensammelt und ein Netz aus verteilten Supercomputern (9) mit Verteufelt-mathematischen Algorithmen (6) die Frage zu beantworten sucht: "Was ist der Mensch?"?
Oder was, wenn der Halb-Taube Verrückte Sprachwissenschaftler (2) einen finsteren Plan ausheckt, alle Vokale aller Sprachen der Welt durch ein kehliges Oe zu ersetzen? (Higgins würde sich im Grabe umdrehen.)

Neben den finsteren verrückten Wissenschaftlern gibt es die geldgierigen verrückten Wissenschaftler (und eine gewisse Schnittmenge), die sich darauf spezialisieren, in Anlehnung an die sagenumwobenen Snake Oil Salesmen, großartige Erfindungen zu präsentieren (die tatsächlich nicht oder ganz anders als vorgegaukelt funktionieren) und sich ihre weitere Forschungen von reichen Leuten der Gesellschaft finanzieren lassen. Meist verschätzen sie sich in ihren Kalkulationen und brauchen alsbald mehr Geld, um das Projekt weiterzuführen. Das Konzept ist mittlerweile im Bereich der Social Media angelangt und nennt sich Crowdfunding, das auch kostengünstiger mit einfachen Bildern und computergenerierten Videos zur Päsentation auskommt. Echte verrückte Wissenschaftler halten sich aus Gründen der Ehre allerdings von solchen Plattformen fern und bevorzugen die finanzielle Unterstützung (und die Cocktailparties) tatsächlich reicher Leute oder die Anstellung in regierungsnahen Raumfahrtbehörden.

Da verrückte Wissenschaftler für ihre verrückten Ideen (und damit sie ein finanzieller Erfolg werden) gute Werbekampagnen brauchen, beauftragen die Wirklich Größenwahnsinnigen Wissenschaftler bisweilen Frustrierte Talentierte Science Fiction Autoren, um eine möglichst große Leserschaft über Wochenzeitschriften, Zuhörer über Radiohörspiele und weiteres Publikum durch Film, Fernsehen und neuerdings Computerspiele mit ihren Erfindungen vertraut zu machen und die Hoffnung auf eine baldige Umsetzung zu pflanzen.

Und dann gibt es die vielleicht verrückten und dabei gutwilligen Wissenschaftler, die zum Wohle ihrer Mitmenschen Wissenschaft betreiben. Die haben bisweilen ihre Gegner, sowohl in der Politik als auch in der WirtschaftWissenschaft. Und jeder gute Wissenschaftler braucht wohl einen bösen Gegenspieler. Das ist wie mit Robin Hood und dem Sheriff of Nottingham. Ein Spiel zwischen zwei Besessenen, während die anderen ausgeraubt werden und hin und wieder einer Schlammschlacht beiwohnen dürfen.

Eigentlich wollte ich ja ganz klischeehaft über Alien Technology schreiben, aber das macht derzeit Christopher Loring Knowles sehr viel besser und bietet eine Menge Material für Kopfschüttelei, Amüsemong und Rollenspiel in der Welt cthuloider/paranoider/okkultistischer Wissenschaftler. Also, dem Klischee nach in der typischen quasi-kontemporären Spielwelt. Hier der Link zu Secret Sun-Lucifer's Technologies (Die Reihe wird noch fortgesetzt. Links zu den früheren Teilen sind zu Beginn gelistet.)

*Update: Und das Klischee des Verrückten Wissenschaftlers ist sowieso überholt. Es gibt unzählige Mindestens Genauso Verrückte Wissenschaftlerinnen.

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