Sonntag, Juli 05, 2015

Die Geschichte eines Computerspiels

Neulich war WG-Flohmarkt in Gießen. Bei diesem großartigen Ereignis laden WGs zum Plaudern, Kaffeetrinken, Kuchenessen und Trödelstöbern ein. Außerdem gibt es handgemachte Musik. Die Atmosphäre ist friedlich und freundlich. Man achtet auf faire Angebote und zu jedem Trödelstück gibt es eine passende Anekdote.

Ich stellte ein paar gelesene Bücher, geschaute DVDs, Rollenspiele und meinen alten Atari 1040 STE mit funktionierendem Schwarzweißmonitor und diversen Originalspielen aus. Darunter auch mein damaliges Lieblingsspiel Dungeon Master inklusive dem Sequel Chaos Strikes Back.

Mir war schon klar, dass es ein paar spezialisierte Schnäppchenjäger geben würde, die sich ein paar Liebhaberstücke unter den Nagel reißen wollten, um sie gewinnbringend zu verkaufen.

Während wir (Hamburch-Berlin) Live-Musik machten, wurden wir zweimal im selben Lied unterbrochen, um eine offensichtlich dringende Preisfrage zu klären. Der Mensch mit dem wichtigen Anliegen war zuvor mit seinem Smartphone beschäftigt im Internet zu recherchieren und fragte dann, was Dungeon Master kosten solle. Weil er offensichtlich nicht warten wollte, unterbrachen wir das Stück. Ich sagte kurz: "Acht Euro." Und wir spielten erneut. Worauf wir kurz danach wieder unterbrochen wurden. Denn er hatte es nicht passend und ob ich wechseln könne. Dass aus dem Publikum die erneute Unterbrechung mit Kommentaren sanktioniert wurde, hielt den eifrigen Feilscher nicht davon ab, noch anzubieten, nur 5 Euro zu zahlen, die er nämlich passend hätte und wir somit nicht wechseln müssten, dann würde er gleich gehen oder so. Ich blieb bei: "Acht Euro."

In der schicken Dungeon Master-Schachtel lagen die Originaldisketten, die Anleitungen, der Originalkaufbeleg sowie die Originalversion von Times of Lore ebenfalls mit Anleitung. Er wollte das Spiel angeblich für einen Freund und hatte kein Interesse an dem Atari ST und kannte sich damit auch nicht aus. Nun, den sogenannten Freund sucht er wohl noch im Internet und will sich teuer dafür bezahlen lassen.

Sollte bei einem ähnlichen Anlass wieder jemand unsere Musik stören, werde ich erstens das Stück zu Ende spielen, zweitens Hausverbot erteilen und drittens den Gegenstand an echte Liebhaber verschenken.
Hört lieber der Musik zu, setzt Euch zu den anderen, esst Kuchen, trinkt Kaffee und tauscht Euch über die Gegenstände und Anekdoten aus, anstatt das Zeug nur ohne seiner Geschichte weiterzuverhökern.

Wir danken den übrigen wunderbaren, freundlichen und gern gesehenen Gästen.

Hier ein Link zum Gießener Anzeiger mit einem Bericht über den WG-Flohmarkt.