Dienstag, Juli 09, 2013

[RSP-Karneval] Ausgepresst - Das Mad-Kyndalanth Interview

Dieser Artikel ist Teil des RSP-Karnevals im Juli 2013 und wurde initiiert von Bombshell. Weitere dazugehörige Artikel sind in diesem Diskussionsfaden des RSP-Forums zu finden und können dort diskutiert werden.

Das Interview führte Thomas G-. Es ist nicht von besonders erhellenden Erkenntnissen auszugehen. Wenn man ausgepresst wird, bleibt die Frage, was am Ende präsentiert wird, die zerdrückte Schale oder der Saft? Und was ist Fakt und was Fiktion?

Ausgepresst - Das Mad-Kyndalanth Interview

Thomas G- Hi, Du bist der Autor von Mad-Kyndalanth und schreibst lose Gedanken und Spielhilfen für die große kleine Welt des Rollenspiels.

ald: Wir kennen uns irgendwoher -

Thomas G- Ich meine auch -

ald: - ich erinnere mich an Hamburg unter Wasser.

Thomas G- Es gibt eine Reihe an Fragen, die ich vorbereitet habe. Sie drehen sich um das Thema Rollenspiel, Erzählung und Fiktion. Ist es Dir recht, wenn ich ein paar dieser Fragen stelle und wir uns darüber von einem Thema zum nächsten bewegen.

ald: (nickt)

Thomas G- Wie bist Du zum Rollenspiel gekommen?

ald: Ich hatte die Werbung für Das Schwarze Auge im Fernsehen gesehen und mitbekommen, dass einer meiner Onkel Rollenspiel spielt. Bei Besuchen sah ich Spielleiterschirm, Würfel und Regelbücher mit Illustrationen von Drachen, Zauberern und so weiter.
An meinem zwölften Geburtstag kaufte ich mir nach der Schule die Box "Die Helden des Schwarzen Auges".
Wobei - wenn ich gerade darüber nachdenke, spielten wir Rollenspiel auch auf dem Schulhof, wenn wir so taten als wären wir Colt Seavers, Luke Skywalker oder Robin Hood, einander über den Schulhof verfolgten und jeder in seinem eigenen Tagtraum neben dem anderen hersprang und Schattenkämpfe focht.

Thomas G- Hast Du mehr gelesen oder ferngesehen?

ald: Wir hatten nur drei Programme und der Sendeturm der französischen Allierten störte den Empfang. Ich las sehr viel und mochte manche Serien und Filme - Western, Robin Hood, James Bond und Magnum. Und -

Thomas G- Lieblingsfilme?

ald: Heldenfilme, Der Dieb von Bagdad, Disney. Und die ganzen Klassiker mit Heinz Rühmann, Heinz Erhardt, also - damals. Heute sehe ich Filme anders und mag andere Filme lieber.

Thomas G- Deine Rezeptionsweisen haben sich geändert.

ald: Eben. Und ich habe mittlerweile gelernt, dass man einen Horrorfilm nicht mit den Rezeptionsweisen für diverse Vorabendserien ansehen sollte.
Filme der vergangenen Jahre, die mir besonders gefallen haben, waren: Off the Map, Shotgun Stories - wobei die schon etwas älter sind, oder? Egal.

Thomas G- Tarantino?

ald: Django habe ich bisher nicht gesehen. Die anderen gefallen mir. Kill Bill sehe ich mir immer nur im Doppelpack an.

Thomas G- Welchen Einfluss hat Deine Kenntnis von Filmen auf das Rollenspiel?

ald: In unserer Anfangszeit versuchten wir unsere Vorstellungen von Heldenfiguren und Bösewichten aus Filmen in das Rollenspiel zu übersetzen. Dabei stießen wir an die Grenzen der Spielsysteme und an die Grenzen unserer spielerischen Fertigkeiten. Klischees wurden nicht als solche erkannt und cinematische Darstellungen wurde als realistisch verkannt und ebenso in das Spiel übernommen.
Heute nutzen wir Klischees absichtsvoll.

Thomas G- Das sagen Rollenspieler ja gerne von sich -

ald: Dass sie nun reifer seien und entsprechend spielten?

Thomas G- Klingt albern, was?

ald: Nein. Ich spiele heute das Spiel anders - oder ein anderes Spiel, weil ich auf andere Lebenserfahrung zurückgreife, Prioritäten anders setze und das Spiel nicht als Ausgleich zu den Sorgen als Jugendlicher in der Schule, mit Liebeskummer und allgemeiner Orientierungslosigkeit im Leben brauche. Heute spiele ich gelegentlich mit Freunden, so wie ich mit ihnen andere Gesellschaftsspiele mache - was ich früher eher langweilig fand.

Thomas G- Was spielt ihr dann?

ald: King of Tokyo, Krallen und Fallen und gerne Carcassonne in der Jäger und Sammler Edition.

Thomas G- Wenn wir schon beim Thema sind. Du spielst old school Rollenspiele und nennst als Dein Lieblingssystem Saga. Ich habe den Eindruck, dass Du nicht viele Artikel über das Saga-System verfasst.

ald: Da gibt es nicht viel zu schreiben. Das System habe ich mit Hausregeln für mich angepasst und würde es so auch spielen.

Thomas G- Für OGL Systeme die an 0e und 1e angelehnt sind wie Swords&Wizardry, OSRIC und Basic Fantasy schreibst Du magische Gegenstände. Du könntest doch einfach ein paar Saga-Werte dazuschreiben.

ald: Wer Saga kennt, weiß, dass das nicht nötig ist. Das System funktioniert anders, kennt keine Würfelmodifikatoren und somit reicht es in der Regel, die beschriebenen magischen Effekte zu kennen.
Anders sieht es bei Zaubersprüchen aus. Das vancische Magiesystem lässt sich zwar ohne weiteres in Saga integrieren, hat aber ein paar -

Thomas G- Ist das Saga Zauberereisystem nicht besonders aufwändig? Ich hatte das so in Erinnerung, das Spieler von Zauberern eine Menge Arbeit damit hätten.

ald: Der Spielleiter hat damit Arbeit. Der Spieler muss sich lediglich Notizen machen und vorsichtig mit der Magie experimentieren. Ansonsten überlebt weder der Zauberer noch dessen Gefährten besonders lange.

Thomas G- Die Magie hat Nebeneffekte - Zauberpatzer wie bei Rolemaster?

ald: Rolemaster ist harmlos dagegen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Das Saga-System und auch der Teil, der Zauberei beschreibt ist kaum kompliziert. Allerdings ist das Spiel eines Charakters mit magischen Fertigkeiten eine besondere Spielerfahrung, weil der Spieler mit der Magie experimentieren muss. Und zu jedem Experiment gehört die Dokumentation des Aufbaus, der Bedingungen und der Beobachtungen bei Durchführungen usw.

Thomas G- Ist das so nervtötend wie die Matrixspielchen bei Shadowrun? Dann sitzen die anderen Spieler ja nur rum.

ald: Nein. Garnicht. Der Spieler kann sich Experimente und Zauber vor dem Spiel vorbereiten oder still während des Spiels. Spontane und unvorbereitete Anwendungen von Magie sind dagegen seltener, weil gefährlich.

Thomas G- Wer kann eigentlich zaubern? Es gibt keine Charakterklassen im Saga-System.

ald: Prinzipiell ist das Spielleiterentscheid.

Thomas G- Böse.

ald: Man kann davon ausgehen, dass die Charaktere eine Art Initiation erfahren müssen, um zu lernen mit der Magie grundlegend umzugehen. Das kann dann jeder. Die meisten Zauberer werden entweder nicht besonders gut oder nicht besonders alt. Einfach, weil es gefährlich ist, sich mit den großen Zauberereien zu beschäftigen. Demnach arbeiten viele Zauberer vor allem mit Tricks und Täuschungen.

Thomas G- Illusionen. Bei AD&d gab es den Illusionisten.

ald: Den wollte nie einer spielen.

Thomas G- Weil das Prinzip der Illusion nicht verstanden wurde.

ald: Weil den Spielern nicht bewußt war, dass man Spielerfiguren mit Illusionen täuschen konnte. Oder dass überhaupt etwas anderes möglich war als eventuelle Gegner mit Feuerbällen zu bewerfen oder mit Schwertern zu hauen.

Thomas G- Das blödeste System das Dir je unter die lesenden Augen gekommen ist?

ald: "Quest of the Ancients" fand ich relativ langweilg zu lesen. Die Complete Handbooks von AD&D 2nd Edition gehören teilweise dazu. AD&D wurde damit zu einer häßlichen Flickendecke aus guten Vorsätzen und riesigen Löchern.

Thomas G- Du mochtest die zweite Auflage doch immer.

ald: Ich mag sie immer noch. Das Grundregelwerk.

Thomas G- Hast Du eigentlich Rollenspielfantasy gelesen?

ald: Ungerne. Ich hatte mal ein paar der Dragonlancegeschichten auf Deutsch. Da wurden die Geschichten aus Tales of the Lance oder Legends of the Twins oder so auf unzähligen Bücher aufgeteilt und mir war es zu blöd, die gesamte Serie zu kaufen. Später las ich dann die englischen Sammelbände der beiden Trilogien. Schmachtfantasy, die ich damals gerne las. Ich mochte den Kender und Sturm.

Thomas G- Warum nichts anderes?

ald: Ich war davon überzeugt, dass es neben dem Herrn der Ringe nichts Vergleichbares gab.

Thomas G- War ja auch so.

ald: Na, es gab anderes, das mit anderer Rezeptionsweise ebenfalls gut gefallen konnte. Ich las nach Tolkien alle anderen Bücher mit Erwartungen an einen weiteren Teil des Herrn der Ringe. Und da gab es nichts. Die Bücherklappentexte haben alle gelogen.

Thomas G- Sowas wie "Tolkien Fans werden das Buch und seine detaillierte lebendige Welt lieben"?

ald: Genau.

Thomas G- Was gibst Du neuen Spielleitern für Hinweise zum Spiel?

ald: Spielleitern? Ich habe lange Zeit keine jungen Spielleiter mehr kennengelernt.

Thomas G- Spielern eben.

ald: Spieler sollten sich auf ein Spiel einlassen. Schreibzeug mitbringen, Notizen machen, das Smartphone auslassen.

Thomas G- Was ist Dein Standpunkt im Diskurs der Rollenspieltheorien.

ald: Ich stehe nicht im Diskurs und lasse die Leute reden.

Thomas G- Frustriert?

ald: Nein. Ich hatte die Absicht, mit einer Sammlung von Essays das Thema Rollenspiel zu bearbeiten. Mittlerweile gibt es einige wissenschaftliche Arbeiten, darunter Dissertationen, die verschiedene Aspekte des Rollenspiels aus den jeweils fachlichen Perspektiven beleuchten. Das gefällt mir sehr. Einige wenige habe ich davon bereits gelesen.
Zur Zeit geht es mir allerdings eher um das eigene Spiel auch im Sinne des eigenen Schaffens. Da hilft die wissenschaftliche Betrachtung nur bedingt.

Thomas G- Weil sie am Spiel hindert?

ald: Nein, weil die Recherche und Sichtung des Materials zeitaufwändig ist. Das Spiel selbst braucht ja auch Vorbereitung. Ich muss mich entscheiden, wie ich meine sogenannte freie Zeit nutzen will. Eine wissenschaftliche Arbeit zum Thema Rollenspiel aus Sicht der Literaturwissenschaft oder Kunstpädagogik ist nicht dringend. Außerdem gibt es da schon z.B. die Dissertation von Dr. Gero Pappe.

Thomas G- Hilft solche wissenschaftliche Lektüre Spielern und Spielleitern?

ald: Ja. Mehr als viele dieser Ratgeber zum Rollenspiel. Man braucht Zugriff auf eine gut sortierte Bibliothek. Eine Universitätsbibliothek beispielsweise. Dann lässt man sich Zeit, um sich damit vertraut zu machen, damit man die Ordnung versteht und beginnt nach Interesse zu schmökern, folgt der Intuition beim Schlendern und Suchen durch die Gänge und stellt Fragen: an andere Besucher, das Bibliothekspersonal und sich selbst. Auf die Fragen sucht man Antworten.
Und manchmal liest man nur, notiert sich Titel, Autoren und fertigt ein paar Quellenauszüge an.

Thomas G- Klingt nach Aufwand für die Spielvorbereitung.

ald: Es geht dabei nicht um Spielvorbereitung. Es ist ein Weg durch die Welt. In den Bibliotheken stecken Fragen und Antworten anderer Menschen und diese können Wegweiser sein, Anhaltspunkte geben.
Wer spielt, soll sich die Frage stellen, wofür er spielt und welche Interessen daran anknüpfen.

Thomas G- Sollte das Rollenspiel pädagogisch instrumentalisiert werden?

ald: Die Frage ist, was im gesellschaftlichen Kontext nicht instrumentalisiert wird.

Thomas G- Hobbies wie Rollenspiel oder Computerspiele können doch auch einfach unterhalten.

ald: Sind Hobbies nicht erfunden worden, um die sogennante freie Zeit zu füllen? Die pädagogischen Implikationen von Computerspielen werden im öffentlichen Diskurs vernachlässigt.
Wer Verknüpfungen von Interessen mit dem Rollenspiel entdeckt, kann sich entsprechend weiterbilden. Geschichte, Kartographie, Illustration, Erzähltechniken, Theaterspiel, Drehbücher, Wirtschaft, Philosophie, Politik und Religion sowie für viele auch Kampfkunst. Ab in die Bibliothek, Lexika wälzen, Literatur suchen, Dokumentationen ansehen. Das ist ein Teil Selbstbildung, von der man langfristig stark profitiert.

Thomas G- Ist das dann Dein Tip für Spieler?

ald: Mein Hinweis für Spieler ist, dass sie, wie in allen anderen Lernprozessen auch, viele Fehler machen werden. Auf dem Weg werden sie ihre Perspektiven ändern. Routine erlangen, Routinen brechen. Es gibt Spieler, die nach ein paar Runden aufhören und andere Interessen verfolgen. Manche Spieler bleiben über Jahre und Jahrzehnte dabei und sie werden Teil einer kleinen Gruppe mit ihren Macken und festgefahrenen Denkweisen. Und ich meine nicht in Bezug auf die Systemwahl.

Thomas G- Glaubst Du an einer transzendente Rollenspielerfahrung?

ald: Nein. Man kann an jeder Sache verrückt werden und an jeder Sache heilen. Transzendent ist dabei der Durchbruch von der alten Selbsterfahrung in die folgende. Da man beim Rollenspiel Masken trägt, d.h. eine fiktive Spielfigur spielt - meist über der Maske, die man für die Tischgesellschaft anhat -
Ich verrenn' mich gerade -

Thomas G- Irren ist menschlich.

ald: Das ist richtig. Wie viele Menschen sich auf ihren Irrwegen irgendwo niederlassen und dann dort einrichten.

Thomas G- Das lässt sich bestimmt auf Spielweisen übertragen. Spielergruppen neigen dazu, irgendwann einen Spielstil anzunehmen, eine Art und Weise am Tisch zu kommunizieren.

ald: Sicher.

Thomas G- Ist das ein Problem oder darf jeder auf seine Weise glücklich werden.

ald: Ich habe mir als Spielleiter über die Jahre eine Art der Vorbereitung und Leitung angeeignet. Dazu gehören Methoden und Techniken während des Spiels und Ansprüche. Ich verstehe mein Schaffen als Spielleiter so wie mein Schaffen als Künstler oder Gitarrist. Es gibt Aufgaben, die ich gut und sehr gut bewältigen kann und für andere fehlen mir Werkzeug, Ressourcen, Erfahrung und Kenntnisse. Wer Rolemaster oder FATE spielen möchte, der sucht sich einen anderen Spielleiter. Star Wars (d6), das Saga-System, Basic Fantasy oder Risus leite ich gerne.
Man muss nicht alles können oder kennen.

Thomas G- Stehst Du der Idee des Spielleiters als Dienstleister kritisch gegenüber.

ald: Spielleiter werden nicht bezahlt und für den Aufwand, den man als Spielleiter zu betreiben hat könnte das teuer werden. Gibt es Spieler, die für eine fünfstündige Rollenspielrunde bezahlen würden? Und wie viel? Und wie sieht es dann mit der Qualitätssicherung aus? Gibt es Spielleiterseminare zur Weiterbildung?
Ich kann mir gut vorstellen, dass solche Angebote geben wird. Ich kann mir auch vorstellen Workshops in der Art zu leiten.
Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die Bezeichnung Dienstleistung letztlich ausreicht, da die Spieler einen wesentlichen Teil zum Gelingen einer solchen professionellen Runde beizutragen haben.

Thomas G- Der Spielleiter bietet die Inszenierung, die Spieler zahlen für den Zutritt zu dieser Inszenierung und zur Teilnahme.

ald: Im Sinne einer Inszenierung würde ich das ausprobieren.

Thomas G- Mir fällt gerade ein, dass solche Weiterbildungsseminare für Spielleiter doch in den Bereich der von Dir kritisierten Rollenspielratgeber fallen.

ald: Sofern diese Weiterbildungsseminare und Ratgeber mit entsprechend ausführlichen Literaturhinweisen versehen sind und ich mich dann auf den eigenen Weg in die Bibliothek machen kann, ist das durchaus in meinem Sinne. Ein Workshop oder Seminar kann und muss praktische Anteile haben, um den Teilnehmern eigene Erfahrungen - innerhalb der Inszenierung des Seminars - zu ermöglichen.
Bei der Lektüre eines Ratgebers wird man anhand des Textes durch einen Tagtraum geleitet und fantasiert aufgrund oder mangels bisheriger Erfahrungen. Ratgeber mit Anleitungen zum Probieren sind eine bessere Abhilfe.

Thomas G- Wo Du Erfahrung ansprichst. Gibt es ästhetische Erfahrung im Rollenspiel?

ald: Ja. Ich hab nur keine Lust das auszuführen.

Thomas G- Stichwort Retroclone Heartbreaker.

ald: The Tiny OGL Heartbreaker.

Thomas G- Gibt es Neuigkeiten?

ald: Mein eigener Retroklon ist als Baukasten konzipiert. Es gilt das Prinzip "Das Spielsystem bestimmt die Spielwirklichkeit." Demnach werden die Grundregeln beschrieben und Möglichkeiten der Hausregelung sowie deren Auswirkungen auf die Spielwirklichkeit exemplarisch vorgestellt. Ich schreibe nur über Regeln und Auslegungen. Es gibt keine Monster, Zaubersprüche, magischen Gegenstände oder Götter. All dieses Material kann von anderen 0e und 1e Spielen portiert werden. Das auf Mad-Kyndalanth vorgestellte Material passt ebenfalls.

Thomas G- Wann ist mit der Veröffentlichung zu rechnen? Und in welcher Form?

ald: PDF und vermutlich frei. Da ich mit anderen Projekten zu tun habe, behalte ich diese Herzensangelegenheit für mich. Es stehen vierzehn Seiten. Mal sehen.

Thomas G- Basic Fantasy.

ald: Spiele ich mit einer kleinen Runde. Old school-üsch, macht Spaß. Die Übersetzungsarbeit liegt gerade bei den Zaubersprüchen.

Thomas G- Wann soll die Übersetzung fertig sein?

ald: Mein Ziel ist noch innerhalb dieses Jahres. Es gibt seitens Chris Gonnermans keine Deadline. Wer sich an der Übesetzungsarbeit beteiligen möchte, schreibt mich an oder meldet sich in dem entsprechenden Diskussionsfaden im Basic Fantasy Forum.

Thomas G- Rollenspiel und Musik.

ald: Soweit mir bekannt, gibt es dazu keine Studien aus der Musikwissenschaft. Dabei wäre eine Untersuchung der Persönlichkeitsprofile von Rollenspielern und deren musikalische Präferenzen während des Spiels und abseits des Spieltisches interessant. Die Wirkung und Funktion von Musik während des Spiels, d.h. als Soundtrack für die Erzählprozesses am Tisch, die darauf aufbauende Vorstellung im Kopf oder die Musik als tätigkeitsbegleitende Untermalung.
Ich erlebte es als Spielleiter häufig, wie musikalische Ereignisse exakt mit den Ereignissen auf der Spielwelt durch passendes Timing in der Erzählung und der Spielprozesse am Tisch zusammenfielen.
Die Musik lenkt. Das ist ein wichtiger Teil der Inszenierung und hier offenbart sich die Bedeutung von Musik innerhalb ritueller Veranstaltungen, bei Festen usw.
Allerdings sind solche Studien aufwändig und müssten finanziert werden.

Thomas G- Würden dann freiwillige Spieler gesucht?

ald: Man könnte mit Befragungen beginnen. Persönlichkeitsfragebögen, welche zu musikalischen Präferenzen, Informationen zur Spielgruppe. Daten sammeln, Hypothesen bilden. Studiendesign bearbeiten.

Thomas G- Von Spielern hörte ich wiederholt, dass diese fachliche Gerede über Rollenspiel, das Spiel nur kaputt machte. Das klingt nach einem Risiko.

ald: Nein. Das ist kein Risiko. Man muss nur trennen zwischen dem Spiel, das ich zur Unterhaltung spiele und dem Spiel, das ich mit gelenkter Aufmerksamkeit bezüglich einer Forschungsfrage spiele. Und wenn es Spielern darum geht, die eigene Spielerfahrung zu verändern, zu verbessern, dann muss das eigene Spiel regelmäßig unter bestimmten Fragestellungen beobachten und analysiert werden. Heute kein Problem: Kamera aufstellen, Mikros positionieren und Aufnahme betätigen.

Thomas G- Das bedeutet wieder Aufwand.

ald: Wer Gitarre spielen können will, muss Gitarre spielen lernen. Das bedeutet Gitarre nehmen, probieren, leichte Stücke üben, Gitarristen zusehen, Lehrer fragen, Fehler machen, Fehler erkennen, Übungen zur Verbesserung anwenden. Und eine Menge mehr.
Wer Rollenspiel lernen will, kommt um solche Übeprozessen nicht herum. Es ist eben nicht nur ein Spiel, das man spielt, sondern eines, das man lernt. Das ist mit Schach genauso. Und jedem Computerspiel.
Die Motivation ist entscheidend und die Art, wie der Spieler belohnt wird. Computerspiele, soziale Netzwerke und Foren machen nicht einfach Spaß, sondern wirken auf bestimmte Weise belohnend. Und zwar fast sofort.
Bei Rollenspiel am Tisch wird die Belohnung oft aufgeschoben. Erfahrungspunkte gibt es gegen Ende der Runde, dann dauert es, bis genügend Erahrungspunkte gesammelt worden sind. Zwischendurch wird die Motivation durch Kommunikationsschwierigkeiten in der Gruppe gedämpft. Man bekommt Hunger, muss auf die Pizza warten. Die audio-visuellen Reize sind nicht so überzeugend wie am Computer.
Computerspiele und soziale Netzwerke lenken die Aufmerksamkeit anders. In der Rollenspielrunde muss der Spielleiter die Aufmerksamkeit der Spieler lenken. Das ist nicht so leicht und ähnelt oft der Situation in der Schule.

Thomas G- Startet jetzt ein Rant?

ald: Nö. Nur, wer Computerspiele spielt, sollte irgendwann fragen: Weshalb hänge ich so sehr davor? Und die Nutzer sozialer Netzwerke ebenso: Was ist an dem Like, an dem Klick, an der kurzen Nachricht so belohnend, dass ich dem Gerät stundenlang meine Aufmerksamkeit schenke, während ich andere(s) vernachlässige.

Thomas G- Rollenspiel -

ald: am Spieltisch ist deswegen besser als Computerspiele, weil die direkte zwischenmenschliche Interaktion möglich ist. Man kann sich knuffen, umarmen, mit Papier bewerfen, zuflüstern, singen, tanzen, einander kneifen, miteinander brüllen, heulen, streiten, einander beschwichtigen, aus dem Raum gehen, wieder kommen.
Am Computer sitzt man beim Spiel fast bewegungslos und die ästhetische Erfahrung des Computerspiels ist die Überblendung der Wahrnehmung der direkten Umgebung durch die virtuelle Wirklichkeit des Bildschirms und der akustischen Signal durch Lautsprecher. Es ist ein Lähmungszustand, wie bei der Schlafparalyse.
Das ist so dahergesagt und ist nicht wissenschaftlich belegt. Also, das war der Rant.

Thomas G- Gut. Wenn man beim Rant angelangt ist, dann ist der Gesprächspartner in der Regel für's erste ausgequetscht.

ald: Ausgepresst. Das heißt zwar nicht, dass wir nichts mehr zu reden hätten, aber erstmal reicht es.

Thomas G- Fazit, Ausblick, sonstwas?

ald: Ich grüße alle meine bisherigen Spieler und Spielleiter!

Thomas G- Kontakt mit dem Autor ist über das Bloggerprofil möglich. Vielen Dank für das Interview.

ald: Gerne. Hatte ich schon länger vor.

Thomas G- Hat Dich vorher keiner gefragt?

ald: Nee.

Thomas G- Schreib' nen Rollenspielratgeber, dann kannst Du auf Cons Interviewfragen beantworten. Aber bereite Dich gut vor. Dabei fällt mir ein, dass wir garnicht über -

ald: Splittermond!

Thomas G- Genau! - geredet haben.

ald: Egal.

Thomas G- Egal. Schluss?

ald: Ja. Ich liebe das Saga-System.

Thomas G- Nicht.

ald: Was?

Thomas G- Das war die Qualität Deiner Handlung - PR am Ende.

ald: Das war ein schlechte Insider. Am Ende muss es knallen. Sandwichmethode. Anfang gut - Ende gut. Mitte merkt sich keiner.

Thomas G- Ein guter Spruch noch? Du bist bekannt für gute Sprüche.

ald: Einer der Lieblingssätze einer meiner Romanfiguren: "Ich will am Ende meines Lebens sterben und nicht mittendrin."

Thomas G- Der könnte von mir sein.

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