Sonntag, Juli 08, 2012

Spielmeistergespräche: Teil 1


Mir wurde per E-Mail die Frage gestellt: "Wie ist man ein guter Spielleiter?"

Die Antwort auf die Frage ist: "Das weiß man, wenn man ein guter Spielleiter geworden ist."

Die relevante Frage lautet also: Wie wird man ein guter Spielleiter?

Da ein einzelner langer Artikel nicht ausreicht, um die Frage angemessen zu beantworten, folgt ein erster Ansatz im Rahmen einer kleinen Serie, genannt "Spielmeistergespräche". Dies ist der erste Teil, in dem zunächst ein paar Fragen gestellt werden ohne schon eine Antwort zu geben. Allerdings steckt in jeder gelungenen Frage schon ein Hinweis auf deren Beantwortung. Vielleicht genügt dieser schon, um neugierig weiterzusuchen.

Wie wird man Spielleiter?

Spielleiter wird man, indem man sich entscheidet, die Aufgabe der Spielleitung in einer Rollenspielgruppe zu übernehmen.
Die Motivationen dazu können verschiedene sein. Darum soll es in diesem Teil nicht gehen.

Was macht man als Spielleiter?

Die Aufgaben der Spielleitung sind in den Regelbüchern sämtlicher Rollenspielsysteme festgehalten und können dort nachgelesen werden.

Kurz zusammengefasst sind mir folgende Bereiche für die Spielmeistergespräche wichtig:
  • Beschreibung der Spielwelt
  • Darstellung der Nichtspielerfiguren (NSF/NSC/NPC) 
  • Moderation des Spiels
  • Interpretation der Spielregeln
Weitere Bereiche werden am Rande angesprochen und ein besonderer Bereich steht verbindend im Zentrum: die Kunst des Erzählens.

Wie wird man ein guter Spielleiter?

Üben, Spielen, Fehler machen, aus Fehlern lernen, Fragen stellen, Antworten suchen. Üben, Spielen ... (usw. usf.)

Wenn man eine bestimmte Sache lernen will, dann muss man gezielt dafür üben. Es gibt niemanden, der die Spielleitung übernimmt und das "einfach so" kann, wie gelegentlich angenommen wird. Das ist die gute Nachricht.

Man kann und wird allerdings sehr wohl verschiedene Fertigkeiten und Gelerntes aus anderen Bereichen auf das Spielleiten übertragen. Das macht gelegentlich den Anschein, als könnten manche Leute bestimmte Dinge "einfach so". Ist aber Quatsch. Mathe kann keiner einfach so, Zeichnen nicht, Stabhochsprung nicht und Laufen auch nicht. In diesem Absatz ist aber ein weiterer wichtiger Aspekt des Spielleitens verborgen: der nämlich, einen Anschein zu machen. So zu scheinen als ob. Schau zu spielen. Mit gezielten, gelernten und bewußt angewandten Gesten und Worten eine erwünschte Wirkung zu erzielen und ein Publikum (d.h., die Spieler) zu beeinflussen. Dazu später mehr.

Wesentlich für das Spielleiten sind:
  • Sprache (freies Sprechen, Erzählen, Vorlesen, Veränderung der Stimme, Schauspielerei usw.)
  • Texte verfassen (Schreiben, Rechtschreibung, Schreibstil usw.)
  • Texte lesen und strukturieren (hilfreich bei der Recherche zu verschiedenen Themen und sehr wichtig für das Verständnis des Regelsystems.)
  • Gruppenmoderation und Gesprächsleitung
  • Vorstellungsvermögen (und sinnliche Erfahrungen)
  • Erfahrung
All diese Dinge kann jeder mehr oder weniger gut (abhängig u.a. von Übung, Erfahrung und Kritikfähigkeit.) Und all diese Dinge können gelernt und angeeignet werden. Und sie werden bei der Spielleitung, der Vor- und Nachbereitung von Spielabenden gelernt und verbessert. Auch das ist eine gute Nachricht.


Bezogen auf die oben genannten Bereiche können folgende Fragen gestellt werden:  
  • Was soll genau geübt werden und wie? 
  • Worauf achtet man bei der Vorbereitung eines Spiels, worauf während des Spiels?
  • Wie moderiert man eine Spielgruppe? 
  • Und was bedeutet Interpretation der Spielregeln?
Und mit der Beantwortung dieser Fragen geht es im folgenden Teil der Spielmeistergespräche weiter. Darin wird eine typische Spielsituation beispielhaft untersucht.

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