Sonntag, Juli 15, 2012

Rollenspielblogs und Foren - Ein Blick in den Abgrund

"Speedreading the Internet ..."

 Seit ein paar Tagen lese ich zwischendurch Rollenspielblogs und Foren (z.B. Tanelorn) quer. Und schon seit ein paar Jahren schleppe ich diesen kleinen Rollenspielblog mit mir herum, schreibe wenig und habe mich bisher überhauptnicht für andere Rollenspielblogs oder Foren interessiert. Das lag u.a. daran, dass ich wenn, dann in Gitarrenforen mitlese und gelegentlich schreibend teilnehme. Die Equipmentdiskussionen um den besten Verstärker, Effekt, die tollste Gitarre und die dazu zyklisch wiederkehrenden Flamewars usw. reichen mir. Rollenspielsystemdiskussionen haben mich nicht weiter interessiert und interessieren mich bis jetzt nicht.
Scheinbar gibt es in den Foren und unter den Bloggern eine Menge Leute, die viel Spielerfahrung haben, teilweise professionell mit Spielen zu tun haben und es gibt unzählige Liebhaber, die ebenso zu den Experten zählen. Die haben alle etwas zu Rollenspielen, Systemen, Spieltechniken usw. zu sagen und tun das auch. Das kann unterhaltsam, interessant und lehrreich sein. Und es kostet Zeit, so viel zu lesen und Forendiskussionen zu verfolgen. Ich bin schon ein relativ schneller Leser, wenn ich will und mir das Schnellesen sinnvoll erscheint. Doch habe ich einen strengen Filter, was diverse Foren angeht. (Den hat jeder. Manchmal ist es gut, weniger streng zu filtern und manchmal ist es gut noch viel strenger zu filtern. Aus Selbstschutz, um sich vor allzuviel Unsinn zu bewahren.)

Beim Lesen fragte ich mich: Für wen schreiben die Leute eigentlich? Und dann fragte ich mich: Für wen schreibe ich eigentlich meine unregelmäßigen Blogartikel hier? Für mich. Und den Leser, dessen Weg hier entlang führt.

Mich interessieren neben dem Spielen selbst, das Erzählen, die narrative Improvisation im Rollenspiel, die Charakterdarstellung und Entwicklung und manch anderes mehr. In mancher Hinsicht habe ich ein (literatur-)wissenschaftliches Interesse daran, in den meisten Hinsichten ein künstlerisches. Mittlerweile wird das Rollenspiel zum Thema wissenschaftlicher Arbeiten gemacht, was ich sehr begrüße. Sofern ich Zeit dafür finde, werde ich mir die eine oder andere Arbeit zur Lektüre nehmen. Ich bezweifle, dass ich selbst mehr als ein paar Essays über das Rollenspiel schreiben werde. Und damit bin ich (mittlerweile) zufrieden. Ich kann mir vorstellen, zum Rollenspiel Workshops anzubieten und mit Teilnehmern an Spielvorbereitung, Leitung, Improvisation usw. zu arbeiten und dafür Material zu entwerfen. Das ist allerdings praxisorientiert. Eine rein theoretische Arbeit liegt zur Zeit nicht mehr in meinem Interesse. Damit bin ich auch zufrieden.

Es wird in den Foren und Blogs über alles mögliche geschrieben. Podcasts werden aufgenommen, Interviews geführt und das ist alles schön und gut.

Was ich will, ist hin und wieder spielen und mit meinen Mitspielern eine unterhaltsame Geschichte erzählen. In den zwei Jahrzehnten als Spielmeister habe ich selbst diverse Hypothesen zum Spiel entworfen und wieder verworfen, ein paar interessante Erkenntnisse gesammelt und habe über lange Umwege zu einem Spiel mit Spielern gefunden, bei dem es um Spielspaß und Erzählung geht und das auf Stress mit Systemfragen verzichtet. Ich habe für mich ein Verständnis über die Bedeutung des Spielsystems gefunden, habe meinen Frieden mit Rolemaster geschlossen - einem System, dass ich über Jahre konzeptuell garnicht in meinen Kopf bekommen konnte - und bin nun nach der Lektüre von Retroklonsystemen dahintergekommen, dass ich großen Gefallen daran habe. Ich habe mit einem System der Alten Schule angefangen, habe eine Menge der Neuerungen mitgemacht und lande nun mit erweitertem Horizont wieder bei einem Old School System. Das ist wie mit dem Blues auf der Gitarre.

Die angefange Kurzserie "Spielmeistergespräche" werde ich fort- und zuendeführen. Wobei ich das jedoch unter dem Vorbehalt tue, dass ich nur aus meiner Perspektive erzähle. Wenn es um die Frage "Wie werde ich ein guter Spielmeister?" geht, dann maße ich mir nicht an, sämtliche Spielmeister beurteilen zu können, sondern beschreibe Ansätze, wie man die Spielleitung lernen kann und was man beim Spiel beachten sollte, um die Aufgabe zu bewältigen. Die Praxis und das intensive Fehlermachen gehört dazu. Und ich kann von vielen Fehlern berichten.

Was ich hier also schreibe, sind ein paar lose Notizen für mich. Und ich trage damit zu der großen Sammlung menschlicher Gedanken und Äußerungen zu diversen Themen bei, die im allgemeinen noch "das Internet" genannt wird. Dieser Beitrag bedarf keiner Legitimation. Und so verstehe ich auch die Beiträge von allen anderen Rollenspielern, die Blogs pflegen und sich in Foren engagieren.

Schreibt! Ihr Narren!

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